Weniger ausländische Wissenschaftler in Japan seit dem 11. März 2011

Webcode 10010 (06/2012)

Wie sich die Folgen des Erdbebens in Tohoku auf die Zahl der ausländischen Wissenschaftler in Japan ausgewirkt haben, darüber geben zwei aktuelle Erhebungen Auskunft.

Das Ministry of Education, Culture, Sports, Science and (MEXT) befragte Wissenschaftler an 1.394 Forschungsinstituten und Universitäten in Japan und wertete 887 Antworten aus. Diese jährliche Studie umfasst das Fiskaljahr 2010, welches am 31.3.2011 endete. Sie unterscheidet zwischen Langzeitaufenthalten, die länger als einen Monat dauern, und Kurzaufenthalten bis zu einem Monat.
Die Ergebnisse zeigen, dass besonders die Anzahl der kurzen Japanaufenthalte stark gesunken ist: 2009 besuchten 27.870 Wissenschaftler Japan, 2010 waren es nur noch 23.212. Die Langzeitaufenthalte verzeichnen jedoch mit 14.241 Aufenthalten 2010 einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (13.381).

Die Grafik stammt aus einer Erhebung des National Institute of Science and Technology Policy (NISTEP). Sie zeigt die deutlich geringere Anzahl ausländischer Wissenschaftler direkt nach der Katastrophe. Rot dargestellt sind die durchschnittlich pro Monat nach Japan reisenden ausländischen Wissenschaftler für die Jahre 2008 bis 2010. Die blauen Balken zeigen, dass die durchschnittlich im Monat anreisende Zahl ausländischer Wissenschaftler unmittelbar nach dem Erdbeben stark abgenommen hat. In den Folgemonaten steigt die Zahl wieder an, erreicht jedoch nur die Hälfte des Durchschnitts der Vorjahre.
Von 528 Wissenschaftlern, die Japan im März 2011 verlassen haben, nannte knapp ein Drittel die Katastrophe als Begründung. In der darauffolgenden Zeit kehrten von 6.015 Forschern 6,9 Prozent (417 Personen) vorübergehend in ihre Heimat zurück. Insgesamt gaben 9,9 Prozent (596) an, Japan vorübergehend oder permanent wegen des Erdbebens und seiner Folgen verlassen zu haben.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan, 05/2012 S.10]

Unterstützung für die Wissenschaft in der Region Tohoku

Webcode 10010 (07/2011)

Seit dem schweren Erdbeben vor der Küste Ostjapans am 11. März und der darauf folgenden Tsunami-Verwüstung sind inzwischen mehrere Monate vergangen. Unterstützt von zahlreichen Hilfsangeboten arbeitet Japan am Wiederaufbau der zerstörten Region. Betroffen sind neben der bekannte Tohoku University in Sendai auch kleinere Forschungsinstitute und Universitäten in den Präfekturen Fukushima, Miyagi und Iwate. Insbesondere für die wissenschaftliche Zusammenarbeit sind mittel- und langfristige Maßnahmen gefragt, um die Kooperationen und den Austausch mit Kollegen in betroffenen Einrichtungen fortzuführen.

Unterstützungsangeboten aus der internationalen Wissenschaftsgemeinde sind ebenso zahlreich wie vielfältig und aufgrund ihrer Fülle auch nicht kurz zusammenzufassen. Stellvertretend sollen hier Beispiele für Initiativen genannt werden, die Wissenschaftlern hierzulande die Kooperation mit den japanischen Kollegen auch nach dem Tohoku-Erdbeben ermöglichen und den Austausch erleichtern.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) kündigte an, seine vorhandenen Förderinstrumente flexibel einzusetzen. So wäre es möglich, dass japanische Wissenschaftler, die Ihre Projekte an betroffenen Einrichtungen nicht fortsetzen können, ihre Arbeiten in Deutschland fortführen. Der DAAD nennt als weitere Option eine finanzielle Entlastung der japanischen Partnerorganisationen in bereits laufenden bilateralen Kooperationen.
Die Alexander von Humboldt-Stiftung bietet den großzügigen Gebrauch ihrer Alumniprogramme für japanische Humboldtianer an. Auch können diejenigen, deren Stipendium in Deutschland demnächst endet, ihren Aufenthalt in Deutschland bis auf weiteres verlängern. Eine Tandemeinladung für Humboldtianer speziell in der Tohoku-Region ermöglicht den Deutschlandaufenthalt zusätzlich für einen Doktorand oder Nachwuchswissenschaftler.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird schnell und unkompliziert über Zusatzanträge entscheiden, um zusätzliche Mittel für laufende Projekte mit japanischen Kooperationspartnern zur Verfügung zu stellen. Dadurch können etwa Aufenthalte in Deutschland zur Weiterführung solcher Arbeiten angeboten werden, die in Japan auf absehbare Zeit nicht möglich sind.
Auf Initiative von Wissenschaftlern der Leibniz-Gemeinschaft wurde das „Nippon Science Support Network“ gegründet. Diese internationale Initiative koordiniert das Hilfsangebot für die Wissenschaft in der betroffenen Tohoku-Region. Forschungsinstitute, Universitäten, Kliniken und Wissenschaftsfördereinrichtungen können ihre Arbeits- und Stipendienangebote für japanische Studenten, Forscher und wissenschaftliche Mitarbeiter in einer Datenbank zur Verfügung stellen. Derzeit sind für Deutschland 161 und für die Schweiz 37 Angebote gelistet, die Datenbank wird pro Monat durchschnittlich 2000 Mal aus Japan angesteuert. Sechs weitere Länder sind an der Initiative beteiligt.
Die japanische Regierung überarbeitet derzeit den vierten „Science and Technology Basic Plan“, um auf die Krisensituation zu reagieren. Vorgesehen sind darin auch Maßnahmen, um das Vertrauen in die japanische Forschungslandschaft wieder herzustellen. Wissenschaftler aus der ganzen Welt sollen auch in Zukunft an gut ausgestatteten Forschungseinrichtungen in einem professionellen Umfeld in Japan arbeiten können. (red)
[Quelle: Wissenschaft & Forschung - Japan, 02/2011 S.7]

Nachfolgende Liste von Links enthält lediglich eine kleine Auswahl von Informationen zu dem großen Erdbeben am 11. März 2011 vor der Küste Ostjapans. Die Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.